Besten Dank den Besuchern meines letzten Posts für ihr grosses Interesse am Beitrag “Ist Deutschland eine Demokratie?”. Aus aktuellem Anlass hier wieder einmal ein Schweizer Thema: Die Offroader-Initiative, heute mit 120′000 beglaubigten Unterschriften eingereicht.
Besonders originell ist nicht nur das Anliegen, Offroader und andere Grossautos und Sportwagen zu verbieten, sondern auch die Strafmassnahmen für bereits gekaufte Fahrzeuge dieser Klassen: Maximal Tempo 100 auf der Autobahn! Eine kleine Genugtuung für den alt-68er, der es mit seinem alten 2CV auch nicht viel schneller hinkriegt? Dem Personen- wie auch dem Umweltschutz dienen solche Massnahmen eher weniger.
Diese Beispiel führt uns auf die Spur des Grundproblems der Initiative: es ist nicht die Stossrichtung, mit der man entweder einverstanden sein kann oder (wie der Autor) eben auch nicht. Es ist die moralische Überhöhung des eigenen Standpunktes, der Anspruch, über anderer Leute Gewohnheiten bestimmen zu wollen, der Gegenseite einen Tiefschlag zu verpassen.
Die Offroader-Initiative stellt vor allem eine Sinnfrage: Macht es Sinn, mit übergrossen Autos herumzufahren? Darauf fusst das Begehren und auf diese emotionale Seite zielen die Initianten. Aber: macht es Sinn, Wein aus Südafrika zu importieren? Macht es Sinn, (wie der Autor) als Einzelperson auf 75m2 zu leben? Macht es Sinn, (wie der Autor) Rindfleisch zu essen wenn die Bevölkerung anderswo nicht mal Grundnahrungsmittel erstehen kann? Macht es Sinn, Milliarden in die Vermeidung von CO2-Emissionen zu investieren, wo vielerorts die Leute von Giften durchsetztes Flusswasser trinken müssen? Ein schwammiger Untergrund, die Moral.
Viele führen an, auch die Bewegung gegen das Rauchen an öffentlichen Orten sowie gegen die Aufbewahrung von Armeewaffen zuhause gehen in dieselbe Richtung – als Gegner der Offroader-Initiative und Befürworter von beiden letzeren wage ich aber zu widersprechen. Schusswaffen würden nicht generell verboten, sondern es würde lediglich eine stärkere Kontrolle/Registrierung des Besitzes eingeführt sowie vor allem nicht mehr automatisch jedem halbwegs Tauglichen (der Begriff verliert angesichts unserer heutigen Armeekader auch immer mehr an Glaubwürdigkeit) eine Dienstwaffe für den Hausgebrauch geschenkt. Wer sich zwecks Schützenverein oder anderer Hobbies ein Gewehr kaufen möchte, sollte dies aber weiterhin tun können, unter gewissen Voraussetzungen (Registrierung, keine Vorstrafen). Dies entspräche etwa der Offroadersituation heute: Man macht einen Führerschein, registriert seinen Geländewagen und hält ihn den gemäss den Sicherheitsbestimmungen fahrtüchtig, kriegt aber natürlich keinen von der Armee aufgezwungen und nachgeschenkt.
Beim Tabakrauch geht es weiter klar um die Reduktion der Immissionen für die Nichtraucher an öffentlichen Orten. Ob es Sinn macht zu Rauchen, soll sich jeder Raucher bei einer gemütlichen Zigarette überlegen…er wird einfach gebeten, dies bitte draussen vor der Tür oder in den eigenen vier Wänden zu tun. Wiederum die Analogie: Der Offroader wird auch nicht drinnen gefahren.
Die Offroader-Initiative ist zuviel der Restriktionen, aufgrund von mehr als unscharfen Kausalzusammenhängen, welche bei den anderen Beispielen (Schusswaffen für jeden = Selbstmorde, Drohmittel in Familien- und anderen Delikten, psychopathische Willkür; Zigarrettenrauch = stinkende Kleider) einigermassen stringent sind.
Verfasst von schiiwerfer 