Geländewagen und Passivrauchen

25. August 2008

Besten Dank den Besuchern meines letzten Posts für ihr grosses Interesse am Beitrag “Ist Deutschland eine Demokratie?”. Aus aktuellem Anlass hier wieder einmal ein Schweizer Thema: Die Offroader-Initiative, heute mit 120′000 beglaubigten Unterschriften eingereicht.

Besonders originell ist nicht nur das Anliegen, Offroader und andere Grossautos und Sportwagen zu verbieten, sondern auch die Strafmassnahmen für bereits gekaufte Fahrzeuge dieser Klassen: Maximal Tempo 100 auf der Autobahn! Eine kleine Genugtuung für den alt-68er, der es mit seinem alten 2CV auch nicht viel schneller hinkriegt? Dem Personen- wie auch dem Umweltschutz dienen solche Massnahmen eher weniger.

Diese Beispiel führt uns auf die Spur des Grundproblems der Initiative: es ist nicht die Stossrichtung, mit der man entweder einverstanden sein kann oder (wie der Autor) eben auch nicht. Es ist die moralische Überhöhung des eigenen Standpunktes, der Anspruch, über anderer Leute Gewohnheiten bestimmen zu wollen, der Gegenseite einen Tiefschlag zu verpassen.

Die Offroader-Initiative stellt vor allem eine Sinnfrage: Macht es Sinn, mit übergrossen Autos herumzufahren? Darauf fusst das Begehren und auf diese emotionale Seite zielen die Initianten. Aber: macht es Sinn, Wein aus Südafrika zu importieren? Macht es Sinn, (wie der Autor) als Einzelperson auf 75m2 zu leben? Macht es Sinn, (wie der Autor) Rindfleisch zu essen wenn die Bevölkerung anderswo nicht mal Grundnahrungsmittel erstehen kann? Macht es Sinn, Milliarden in die Vermeidung von CO2-Emissionen zu investieren, wo vielerorts die Leute von Giften durchsetztes Flusswasser trinken müssen? Ein schwammiger Untergrund, die Moral.

Viele führen an, auch die Bewegung gegen das Rauchen an öffentlichen Orten sowie gegen die Aufbewahrung von Armeewaffen zuhause gehen in dieselbe Richtung – als Gegner der Offroader-Initiative und Befürworter von beiden letzeren wage ich aber zu widersprechen. Schusswaffen würden nicht generell verboten, sondern es würde lediglich eine stärkere Kontrolle/Registrierung des Besitzes eingeführt sowie vor allem nicht mehr automatisch jedem halbwegs Tauglichen (der Begriff verliert angesichts unserer heutigen Armeekader auch immer mehr an Glaubwürdigkeit) eine Dienstwaffe für den Hausgebrauch geschenkt. Wer sich zwecks Schützenverein oder anderer Hobbies ein Gewehr kaufen möchte, sollte dies aber weiterhin tun können, unter gewissen Voraussetzungen (Registrierung, keine Vorstrafen). Dies entspräche etwa der Offroadersituation heute: Man macht einen Führerschein, registriert seinen Geländewagen und hält ihn den gemäss den Sicherheitsbestimmungen fahrtüchtig, kriegt aber natürlich keinen von der Armee aufgezwungen und nachgeschenkt.

Beim Tabakrauch geht es weiter klar um die Reduktion der Immissionen für die Nichtraucher an öffentlichen Orten. Ob es Sinn macht zu Rauchen, soll sich jeder Raucher bei einer gemütlichen Zigarette überlegen…er wird einfach gebeten, dies bitte draussen vor der Tür oder in den eigenen vier Wänden zu tun. Wiederum die Analogie: Der Offroader wird auch nicht drinnen gefahren.

Die Offroader-Initiative ist zuviel der Restriktionen, aufgrund von mehr als unscharfen Kausalzusammenhängen, welche bei den anderen Beispielen (Schusswaffen für jeden = Selbstmorde, Drohmittel in Familien- und anderen Delikten, psychopathische Willkür; Zigarrettenrauch = stinkende Kleider) einigermassen stringent sind.


Ist Deutschland eine Demokratie?

1. August 2008

Regelmässig erscheinen in Deutschland Artikel über die Demokratieverdrossenheit der gewöhnlichen Leute. Das beginnt damit, das ein Redaktor mit gewählt-gebildeten Worten sich über den Bildungsstand im Volk beklagt. Gleichzeit wird das Aufkommen von Parteien am rechten Rand des Spektrums beklagt und der Vorwurf erhoben, man wolle zurück zum Nationalsozialismus. Weiter wird ein Talk im öffentlich-rechtlichen Fernsehen organisiert, wo sich die Elite der Politiker rätselnd darüber unterhält, wieso ein grosser Teil der Bürger nicht mehr an die Urnen geht oder die “Falschen” wählt, wo doch alles in Deutschland so perfekt läuft, unter anderem wegen der guten Arbeit der Regierung.

Gleichzeitig wird in unserem nördlichen Nachbarland der Staat ausgebaut wo es nur geht. Immer höher sind die Steuern, immer grösser der Einflussbereich der Politiker. Als Bürger darf man sich alle 4 Jahre lang entscheiden, ob die eine oder die andere der zwei Alternativen (SPD, CDU) wieder einmal das sagen haben darf. Differenzierte Stellungnahmen werden vom Bürger nicht abverlangt, das interessiert niemanden. Hauptsache, die classe politique bleibt unter sich und muss sich nicht mit lästigen Störungen von unten abgeben. Demokratie wird so zum Schein, in Wahrheit wird das Land von einem Clan von Politikern aus verschiedenen Richtungen mit vielen unterschiedlichen Meinungen, aber einer Übereinstimmung regiert: Nicht zuviel Mitbestimmung. Die EU ist ein weiteres nützliches Instrument, Pöstchen und Positionen für diese Elite zu schaffen, und gleichzeitig Entscheidungen aus dem Fassungsbereich der Bürger hinaus auf eine “höhere Ebene” zu verlegen. Dorthin, wo die Regierungen unter sich sind, wo die Bürger nicht hinkkommen.

Und geht mal eine Wahl verloren – nicht weiter schlimm! Sobald sich die “Opposition” selber die Zähne ausgebissen hat an den Folgen einer jahrelangen Misswirtschaft und angesichts praktisch unlösbarer Probleme wird man selber wieder zur einzig wählbaren Alternative und kann sich wieder im Regierungssessel fläzen.

Kein Wunder wandern jedes Jahr Tausende aus Deutschland aus. Kein Wunder steigen die Steuern und sinken die Löhne. Kein Wunder wird ein Heer von Arbeitslosen künstlich aus der Wirtschaft rausgehalten, werden gewaltige Summen umverteilt in der Hoffnung, doch noch des einen oder anderen Stimme kaufen zu können.

Als Schweizer kann ich mich manchmal nur wundern angesichts der Blindheit der Deutschen angesichts der Zustände im Land. Aber auch die Italiener, Franzosen und Briten haben nicht viel mehr zu melden. Eine Abstimmung über den EU Vertrag, beispielsweise, also über Recht welches der eigenen Verfassung übergeordnet ist, bleibt den Bürgern versagt. Wer braucht eine EU wenn er doch nur Personenfreizügigkeit und Freihandel will? Solch differenzierte Fragestellungen kann ein Schweizer in Abstimmungen ausdrücken, der Deutsche, Franzose, Italiener kann es aber nicht und soll es am besten auch nie können, um nicht das “Gemeinschaftswerk” in Frage zu stellen. Und das sind demokratische Staaten? Die Antwort finde jeder für sich selber.


Gut gejammert ist halb gebauert

25. Juli 2008

Und wieder sind sie am Verhandeln, all die Minister, Gesandten, Diplomaten und Lobbyisten, mit der Hoffnung, in der seit Jahren andauernden Dauha-Runde der WTO endlich einen Beschluss herbeiführen zu können.

Zu hören kriegt man immer nur von den Landwirten. Gut gejammert ist halb gebauert, wie der Volksmund sagt. Die Schweiz müsse “Opfer” bringen in diesem Sektor. Niemand spricht jedoch von den rund 98% unserer Bevölkerung, die nicht mehr in der Landwirtschaft tätig sind und diese zwar oft romantisierte Lebensweise seit Generationen hinter sich gelassen haben. Diese 98% brauchen weder Kleinbauern noch Schutzzölle. Sie brauchen günstige Lebensmittel und eine möglichst grosse Freiheit, diese so auswählen zu können wie es ihren Bedürfnissen entspricht. Also selber zu entscheiden, ob die französischen, brasilianischen oder eben die Schweizer Rinder das beste Steak hergeben.

Unsere Agrarlobbyisten wissen das mit gewieften Mitteln und harten Bandagen zu verhindern. Nicht genug damit, dass Agrarimporte aus dem Ausland mit bis zu 300% (!!!) Zöllen belegt werden, womit der Preis sich effektiv vervierfacht. Sondern darüber hinaus werden diesen 2% der Bevölkerung jährlich 4 Milliarden Franken (4′000′000′000) zugesprochen, damit sie ihr Hobby pflegen können. Von Beruf kann man angesichts der katastrophalen Renditen und Produktivität wohl kaum sprechen: rund 80% der Einkommen sind direkt und indirekt auf staatliche Beihilfen sowie überhöhte Preise zurückzuführen. Zulasten der schweigenden Mehrheit, die tagtäglich auf dem freien Markt ihr Geld verdient.


Ein Nachruf auf den Klimawandel

22. Juli 2008

Der Klimawandel kriegt kalte Füsse. Wie schon das Waldsterben, welches Ende der Achtzigerjahre ausgestorben ist, bewegt sich die letzjährige menschheitsbedrohende Apokalypse auf dem absteigenden Zweig.

Google Trends illustriert eindrücklich, wie der Klimawandel sich langsam aus den Köpfen der Menschen verflüchtigt, nachdem er medial im ganzen letzen Jahr bis zum Geht-nicht-mehr breitgeschlagen wurde. Gleichzeitig gewinnt die Suche nach dem Benzinpreis stetig an Boden.

Lieber Klimawandel, es war nett dich kennenzulernen und ein Jahr mit dir zu verbringen! Wir müssen uns jetzt aber wieder realen Problemen stellen, deshalb werden sich unsere Wege inskünftig etwas weniger kreuzen. Gewiss bist du ein Teil unserer Realität, es soll nicht bestritten werden dass sich das CO2 in der Athmosphäre merklich erhöht hat. Dein böser Bruder Klimakatastrophe hat jedoch wegen relativ wenig Substanz sehr viel mediales Geschirr zerschlagen, und dabei unsere Gutgläubigkeit schon ein bisschen oft auf die Probe gestellt. Man kann dich nach alldem halt einfach auch nicht mehr so ernst nehmen. Aber wir werden’s schon richten mit dem Meeresspiegel und den Eisbären, verlass dich drauf!


Der Armeechef ist nicht mehr tragbar…

21. Juli 2008

…ist es denn die Armee noch? BR Samuel Schmid fehlt jegliche Führungskompetenz, ganz zu Schweigen von einer Vision für die Zukunft einer nach Prinzipien des 19. Jahrhundert aufgestellten Milizarmee, und dem Kader fehlt je länger je mehr eine gutausgebildete Schicht von Nachwuchsleuten.

Wer heute noch freiwillig weitermacht sind immer öfter diejenigen die in der Privatwirtschaft durch die Maschen der Selektion fallen und ohne Befehl, Drohung und Uniform keine Aussicht darauf haben, jemals ihr Machtbedürfnis ausüben zu können. Um an der Euro den Abfall aufzusammeln mag das ausreichen, fürs Riverrafting jedoch traurigerweise bereits nicht mehr.

Letztlich sind solche sinnfreien “Einsätze fürs Vaterland”  vor allem eine Behinderung für unsere Wirtschaft, die den ganzen Kindergarten bezahlt. Mut zur Entwicklung und eine Erneuerung dieser Institution ohne Tabus sind heute dringender denn je gefragt. Mit der derzeitigen Führung kann man diese Hoffnung leider noch ein bisschen vertagen.


Bringt was neues

23. Juli 2007

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat einen bahnbrechenden Bericht veröffentlich. Laut diesem kostet der Klimawandel die schweizerische Wirtschaft im Jahr 2050 eine Milliarde Franken pro Jahr. Dramatisch? Eine Milliarde ist etwa ein vierhundertfünfzigstel unseres Bruttoinlandproduktes. Klingt schon nicht mehr so dramatisch, das ist wohl im Bereich der statistischen Unschärfe. Vor allem wenn es sich um eine Schätzung auf 43 Jahre in die Zukunft hinaus handelt.

In einem weiteren Bericht (gleicher Artikel) wird das Bafu sogar noch kreativer: ein schrumpfender Luxusgütermarkt sowie sinkende Nachfrage nach Investitionsgüter können die Wirtschaft zunehmend schädigen. Die Seriosität einer solchen Aussage muss ich doch sehr in Zweifel ziehen, aus folgenden Gründen:

1) Vergleichen wir die Schweizer Wirtschaft 2007 mit derjenigen von vor 43 Jahren, gab es eine erhebliche Verschiebung der Wirtschaft. Woher weiss das Bafu was in 43 Jahren die wichtigen Sektoren sein werden?

2) Die Nachfrage nach Luxusgütern hängt von vielen Faktoren ab; Klimawandel und Umweltzerstörung sind dabei sicher nicht elementar. Obwohl China zurzeit seine Umwelt regelrecht mit Giften imprägniert, stieg gerade die Nachfrage nach Luxusartikeln in diesem Land überproportional.

3) Durch einen allfälligen Temperaturanstieg werden sicherlich enorm viele Investitionen fällig, beispielsweise im Hochwasserschutz. Es ist wohl gewagt, grundsätzlich eine Abnahme der Nachfrage zu prognostizieren.

Also Bafu, zurück an den Start.